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„Schwarze Wohnungen“ oder Fogging Effekt


Wenn die Wände in der Wohnung plötzlich schwarz werden


Das Phänomen tritt seit einigen Jahren gehäuft auf. Sein Name: "Schwarze Wohnungen" oder "Fogging-Effekt". Seine Merkmale: Mit Beginn der Heizperiode treten in der Wohnung plötzlich schwarze, schmierige Beläge an Wänden, Decken, Fenstern und Einrichtungsgegenständen auf. Der schmierige Film gefährdet nach derzeitigem Kenntnisstand die Gesundheit zwar nicht akut, beeinträchtigt aber die Wohnqualität zum Teil erheblich. Die Ablagerungen zeigen sich nach Renovierungen ? oft mit mehrwöchiger bis mehrmonatiger Verzögerung ? oder nachdem Wohnungen in neu errichteten oder aufwändig sanierten Gebäuden bezogen wurden. Betroffen sein können einzelne Räume, in einigen Fällen auch ganze Wohnungen. Der schmierige Film ist eine Ablagerung von schwerflüchtigen organischen Verbindungen und Staubteilchen. Damit verbunden sind bestimmte Randumstände, wie etwa ungenügender Luftaustausch, Gebrauch von Öllämpchen oder Kerzen oder erhöhtes elektrostatisches Potenzial in der Raumluft. Das Umweltbundesamt hat die wichtigsten Fakten zum Phänomen "Schwarze Wohnungen" zusammengetragen und nimmt zu vier häufig gestellten Fragen Stellung.

Die derzeitigen Ergebnisse stammen unter anderem aus einer umfangreichen Fragebogenaktion und einem aufwändigen Messprogramm des Umweltbundesamtes in betroffenen Wohnungen.

1. Wann taucht das Phänomen "Schwarze Wohnungen" auf ?

Die schmierigen Beläge zeigen sich fast ausschließlich während der Heizperiode. Ein direkter Einfluss der Heizungssysteme ist auszuschließen. Ebensowenig liegt die Ursache außerhalb der Wohnung, etwa in Rußeinträgen von außen.

Die Ablagerungen entstehen, nachdem renoviert wurde und/oder nachdem eine neue Wohnung in einem neu errichteten Gebäude bezogen wurde.

Zwischen dem erstmaligen Auftreten der Beläge und den Renovierungsarbeiten können einige Monate vergangen sein ? in der Regel wurde im Sommer renoviert und im darauffolgenden Winter entsteht das Problem. In Einzelfällen kann die Renovierung aber auch ein bis zwei Jahre zurückliegen. Die Beläge selbst bilden sich ? zum Teil massiv ? während der Heizperiode innerhalb weniger Wochen, manchmal sogar innerhalb weniger Tage.

2. Welche Ursachen haben "Schwarze Wohnungen"?

Bei der Renovierung ? Malerarbeiten, Fußbodenverlegearbeiten, aufwändige Bausanierungen ? gasen schwerflüchtige organische Verbindungen (englisch Semi-Volatile Organic Compounds "SVOC") aus einigen Produkten aus ? allen voran Weichmacherverbindungen ("Phthalate"). Das ist nicht ungewöhnlich. Diese Stoffe können noch Monate nach der Renovierung in die Raumluft abgegeben werden. Sie sind geruchlos und in den bisher gemessenen Konzentrationen in betroffenen Wohnungen auch nicht gesundheitsschädlich. Aber: Sie führen zusammen mit Schwebstaubteilchen, die in der Raumluft und der Außenluft immer vorhanden sind, zu einem "Zusammenkleben" kleiner Staubteilchen zu größeren Einheiten. Bei weiteren ungünstigen Begleitumständen setzten sie sich als schmierige Beläge an Wänden und anderen Flächen im Raum ab. Besonders stark betroffen sind Außenwände, Fenster, kunststoffhaltige Materialien, aber auch verschiedene Einrichtungsgegenstände wie Vorhänge, Kühlschränke, Fernsehgeräte und sonstige elektronische Geräte. Strömungstechnische und thermische Einflüsse bestimmen zudem, wo sich die Beläge absetzen. Staubteilchen können im Raum verteilt werden und auch beim Vorbeiströmen an Materialoberflächen mit schwerflüchtigen organischen Verbindungen in Kontakt kommen ? der sogenannte Klebefilmeffekt ?, was dann ebenfalls zu den schmierigen Ablagerungen führt.

Der Eintrag von schwerflüchtigen organischen Verbindungen aus Wand- und Bodenmaterialien, wie etwa weichmacherhaltigen Tapeten, Farben und Lacken, PVC-Belägen, ein zusätzliches Ausdünsten von Weichmachern aus Einrichtungsgegenständen oder die Reaktion von schwerflüchtigen organischen Verbindungen mit Staubteilchen an der Materialoberfläche sind zwar wichtige Schritte zur Entstehung der schwarzen Beläge. Für sich allein betrachtet führen sie oftmals aber nicht zu dem beobachteten Phänomen. Als Begleitumstände, die ebenfalls vorhanden sein müssen (es genügt, wenn im Einzelfall einige davon vorliegen), kommen hinzu:

bauliche Mängel, wie etwa kalte Wandbereiche oder Wärmebrücken, an denen sich bevorzugt Staubpartikel absetzen,

ein verstärkter Gebrauch von Öllämpchen und rußenden Kerzen während der Winterzeit,

ein erhöhtes elektrostatisches Potenzial in der Raumluft,

ungünstige strömungstechnische Einflüsse, wie etwa Verwirbelungszonen aufsteigender Luft im Raum,

eine erhöhte Staubkonzentrationen in der Raumluft durch Tabakrauch usw.,

das Abschalten der Heizung während Abwesenheit der Wohnungsnutzer. Das meint nicht die Drosselung der Heizkörperthermostaten, sondern deren völliges Abschalten ? was übrigens auch aus energetischen Gründen oft gar nicht vorteilhaft ist,

ein ungenügender Luftaustausch, zum Beispiel durch unzureichendes Lüften.

3. Wie gefährlich ist das Phänomen "Schwarze Wohnungen" für meine Gesundheit?

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand und sofern es sich tatsächlich und ausschließlich um den "Fogging-Effekt" handelt, gibt es keine akute gesundheitliche Gefährdung durch das Auftreten der Beläge. Aber: Der Schmierfilm mindert die Wohnqualität zum Teil erheblich.

4. Was kann ich gegen das Phänomen "Schwarze Wohnungen" tun?

Aus Vorsorgegründen ? und natürlich auch, weil die Wohnqualität beeinträchtigt ist ? sollten die Ursachen im Einzelfall so rasch wie möglich geklärt und die Beläge beseitigt werden. Das heißt im allgemeinen: erneute Renovierung. Dabei sollten, zum Beispiel bei erneutem Streichen der Wände, Produkte eingesetzt werden, die möglichst wenig SVOC wie zum Beispiel Weichmacher (Phthalate), enthalten. Einzelne Hersteller bieten bereits derartige Produkte an. An dieser Stelle sei nochmals betont, dass die Verwendung weichmacherhaltiger Produkte nicht zwangsläufig zu den schwarzen Ablagerungen führen muss, sondern in der Regel erst das Zusammenwirken mit den genannten anderen Faktoren dazu führen kann.

Noch sind nicht alle Fragen zum Phänomen der "Schwarzen Wohnungen" geklärt. Offen ist beispielsweise, welchen Beitrag einzelne bei der Renovierung oder bei der Neuerrichtung der Gebäude verwendete Produkte konkret zum Entstehen oder zur Intensität der Ablagerungen leisten. Deshalb können derzeit auch keine verbindlichen Empfehlungen für oder gegen die Verwendung einzelner, bestimmter Produkte zur Vermeidung oder Vorbeugung des Phänomens der "Schwarzen Wohnungen" gegeben werden.

Das Umweltbundesamt verfolgt das Phänomen "Schwarze Wohnungen" aufmerksam und wird in den nächsten Monaten zusammen mit Fachleuten aus Wissenschaft und Behörden sowie mit Produktherstellern dieses Phänomen in einem Fachgespräch erörtern.

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema "Schwarze Wohnungen" gibt es beim Umweltbundesamt, Pressestelle, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin

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