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Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks Rheinland-Pfalz
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Sicherheit hat Vorrang!??



Laut Statistik sterben in Deutschland täglich zwei Menschen an den Folgen eines Feuers. Hinzu kommen pro Jahr etwa 6.000 Brandverletzte mit Langzeitschäden sowie rund 60.000 Leichtverletzte. Die Höhe der in Deutschland durch Brände verursachten Gesamtschäden beläuft jährlich sich auf rund 4,5 Mrd. ?. Zwar entstehen nicht alle Brände durch Feuerungsanlagen, aber die genannten Zahlen wären mit Sicherheit noch viel höher, wenn die Feuerungsanlagen nicht regelmäßig überprüft würden. Trotzdem sollte man davon ausgehen, dass alles getan wird um diese Gesamtproblematik besser in den Griff zu bekommen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall, denn diesen erschreckenden Zahlen steht das Bestreben nach einer Deregulierung der Kehr- und Überprüfungstätigkeiten im Schornsteinfegerhandwerk entgegen.

Brandschutz ist heute ein gesetzliches Verwirrspiel. Das Nebeneinander von 16 verschiedenen Landesbauordnungen mit unterschiedlichem Einführungsstand der Feuerungsverordnungen, Normen und Richtlinien führt bei Bauherren, Handwerkern sowie Planern nicht selten zur Ratlosigkeit. Da gilt der Schornsteinfeger für so manchen Hilfesuchenden als verlässliche Instanz rund um die Feuerungsanlage.

Hat sich Vater Staat mit der Schaffung dieses Berufszweigs etwas gedacht, fragt sich der geneigte Bürger?

Man sollte es annehmen! Das Schornsteinfegerhandwerk steht in erster Linie für die Einhaltung von Brand- und Umweltschutzvorschriften zum Nutzen für Mensch und Natur. Darüber hinaus trägt die Beratungs- und Messtätigkeit nicht unwesentlich zur Energie und damit Kosteneinsparung bei. Die gesamte direkte Brennstoffeinsparung durch die Messungen des Schornsteinfegerhandwerks betrug 2003 etwa 90 Mio. Liter Heizöl und 53 Mio. m³ Erdgas. Ein Energiepotential, von dem sich rund 70.000 Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche von 150 m² (Heizenergieverbrauch 130 kWh/m²) ein Jahr lang beheizen lassen. Der Schornsteinfeger ist aber nicht nur zum Wohle der Bürger tätig, er gewährleistet auch den Vollzug von Verordnungen und Baugesetzen.

Das klingt zwar gelegentlich unpopulär, ist aber sicher notwendig.

Der Nutzen dieser Aufgaben wird durch aktuelle Statistiken unserer europäischen Nachbarn untermauert. So sind allein in Belgien (10 Mio. Einw.) jährlich etwa 150 CO- Tote zu beklagen. In Frankreich (59,34 Mio. Einw.) sind es 7.500 CO-Vergiftungen mit rund 400 Sterbefällen, in Ungarn (10 Mio. Einw.) etwa 50 CO- Tote pro Jahr und in Polen (38,6 Mio. Einw.) pro Jahr 150 CO- Tote. Ähnliche Zahlen gibt es aus anderen Ländern (z. B. Italien und England), so dass man vielerorts nach einem Instrument sucht, um dieses Gefahrenpotential zu verringern. In Deutschland hingegen ist die Anzahl der CO-Todesfälle und CO-Verletzten so niedrig, dass sie nicht einmal vom statistischen Bundesamt erfasst wird. Sicherheitsrelevante Vorschriften wollen also nicht nur erstellt und organisiert und vollzogen werden. In Luxemburg existieren beispielsweise Gesetze zur Ausführung und Reinigung der Abgasanlagen, ihnen wurde aber kaum Folge geleistet. Es kam folglich immer wieder zu Unfällen bis 1995 der Schornsteinfeger als Handwerksberuf anerkannt und der Vollzug der Tätigkeiten kontrolliert wurde. Seitdem tendiert die Zahl der CO-Geschädigten ? ähnlich wie in Deutschland ? gegen Null.

Ist Konkurrenz immer vorteilhaft?

Unter dem Überbegriff Bürokratieabbau gehört sicherlich auch ein bewährtes System wie das des Schornsteinfegerhandwerks auf den Prüfstand. Fraglich ist allerdings, ob sich die gesetzlich festgelegten Tätigkeiten - unter dem Gesichtspunkt der Kostenreduzierung - bürgergerecht optimieren lassen. Dass Konkurrenz allein nicht zwangsläufig mit einer Absenkung der Kehr- und Messgebühren gleichzusetzen ist, zeigt die Praxis aus der benachbarten Schweiz. Dort stiegen in den Kantonen nach vollzogener Deregulierung die Gebühren um bis zu 20 %. Ein erneuter Blick nach Luxemburg verrät ähnliches. Im Großherzogtum können Hausbesitzer ihren Schornsteinfeger zwar nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten frei wählen; für die einmalige Kehrung eines einzelnen Schornsteins werden aber auch 73,21 ? fällig. Hinzu kommen Kosten für den sog. technischen Dienst der Handwerkskammern, die alle zwei Jahre eine Abnahme der gesamten Feuerungsanlage durchführen. Macht noch einmal 45 ?. Nicht zu vergessen die Rauchgasanalyse (ähnlich der 1.BImSchV), die vom Heizungsbauer - selbstverständlich kostenpflichtig - durchzuführen ist. Anders in Deutschland: Hier hat das Schornsteinfegerhandwerk die Möglichkeit seine Tätigkeiten zu bündeln und dadurch Besuchstermine auf das notwendige Maß zu reduzieren. Die Kehr- und Überprüfungsgebühren werden zudem durch die Landesbehörden in Abstimmung mit den Interessenvertretern der Haus- und Grundstückseigentümer festgelegt. Durch eine flächendeckende Organisationsstruktur ergeben sich außerdem klare Vorteile, die dem Bürger nicht nur beim Begleichen der Rechnung zugute kommt. Die effiziente Arbeitsausführung von Gebäude zu Gebäude zählt ebenso dazu, wie die Präsenz vor Ort. Lange Anfahrten und die damit verbundene Kosten fallen kaum an. ?Mein Schornsteinfeger wohnt in der Nähe und ist da, wenn ich ihn brauche?. Zeitgemäße Kundenorientierung, die nicht nur in Ballungszentren sondern auch in strukturschwachen Regionen funktioniert. Außerdem gibt es dadurch für Polizei und Feuerwehr stets klare Ansprechpartner. Ein Aspekt, der im Ernstfall nicht zu unterschätzen ist. Das sieht auch die Versicherungswirtschaft so. Nach Angaben des Verbandes ist die unabhängige Kontrolle durch das Schornsteinfegerhandwerk das derzeit beste System zur Vermeidung von Sach- und Umweltschäden durch Feuerungsanlagen. Fällt diese Regelung weg, werden bereits heute höhere Prämien für die Gebäude-, Feuer- und Hausratversicherung in Aussicht gestellt. Die Versicherer haben Erfahrung in diesen Dingen: Wettbewerb gewährleistet selten eine neutrale Beurteilung der Sachlage. Gefälligkeitsgutachten ? man möchte den Kunden schließlich nicht verlieren ? und materielle Interessen stehen häufig im Vordergrund. Das Gefahrenpotential nimmt unweigerlich zu. Mit der Freigabe der Kehr- und Überprüfungstätigkeiten nach dem Motto: ?Wettbewerb macht alles günstig und besser? scheint es also nicht getan zu sein. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand, denn die Kontrolle, ob jeder Betreiber die vorgegebenen Überprüfungs- und Messintervalle einhält, fällt dann dem Staat zu. Von der Erstellung weiterer Statistiken wie einem Immissionskataster o. ä. ganz zu schweigen. Abstriche bei der Einhaltung brandschutztechnischer Vorschriften stehen ebenso wenig zur Diskussion, wie eine Lockerung des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Dagegen sprechen schon die eingangs genannten Zahlen sowie das CO2-Minderungsziel der Bundesregierung (Kyoto- Protokoll). Es kann sich also nur darum drehen, gesetzliche Vorschriften, Regeln und Verordnungen so zu optimieren, dass sie den Menschen und der Umwelt gleichermaßen gerecht werden.

Volkswirtschaft und Umweltschutz


Des Weiteren darf der volkswirtschaftliche Aspekt nicht unterschätzt werden. 7.976 Schornsteinfegerbetriebe betreuen mit rund 25.000 Beschäftigten einschließlich 1.294 Lehrlingen über 14 Millionen Gebäude. Dabei ziehen die durchgeführten Energieberatungen nach Angaben der Programmgruppe ?Systemforschung und technologische Entwicklung? des Forschungszentrums Jülich ein gemitteltes Investitionsvolumen von etwa 132 Millionen Euro pro Jahr nach sich. Hinzu kommen die Einsparungen für die verringerten Energiemengen, die im Zusammenhang mit einem abgesenkten Abgasverlust realisiert werden. Basierend auf einem Preis für einen Liter Heizöl EL von 40 Cent und einem Kubikmeter Erdgas von 35 Cent ergibt sich dadurch allein im Jahr 2003 eine realisierte Einsparsumme in Höhe von 54,55 Mio. ?. Eine Zahl, die angesichts stetig steigender Preise auf dem Energiesektor zunehmende Bedeutung haben wird. Schon jetzt belastet der hohe Rohölpreis unsere Konjunktur in erheblichem Maße. Neben den Impulsen für den Arbeitsmarkt - man rechnet damit, dass etwa 45.000 Arbeitsplätze in anderen Gewerken gesichert bzw. geschaffen werden - ergeben sich auch positive Folgen für die Umwelt: Zusammengefasst haben alle Aktivitäten des Schornsteinfegerhandwerks dazu beigetragen, dass allein im Jahr 2003 ca. 335.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2), 273 Tonnen Stickoxide und 268 Tonnen Schwefeldioxid weniger in die Atmosphäre gelangten.

Unser Angebot:

Die deutschen Schornsteinfeger sind grundsätzlich bereit, das Verfahren für die Besetzung der Kehrbezirke und deren Vergabe gemäß den aktuellen EU-Forderungen zu verändern. Bundesinnungsmeisters Hans- Günther Beyerstedt wörtlich: ?Das Schornsteinfegerhandwerk wendet sich nicht gegen die Marktöffnung und ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Bürger sich seinen Schornsteinfeger in Zukunft auswählen kann. Wichtig ist aber, dass stets die Sicherheit für Mensch und Umwelt gewährleistet bleibt.? Zur Erhaltung günstiger Kehr ? und Prüfgebühren sowie zur Sicherung brandschutztechnischer Standards hat sich die flächendeckende Struktur des Schornsteinfegerhandwerks bestens bewährt. Der totale Wettbewerb würde den gegenteiligen Effekt haben. Sinnvolle und qualitativ vertretbare Alternativen zum bewährten Schornsteinfeger- System sind deshalb nicht erkennbar.

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